MEINE DAMEN UND HERREN!

Wir sind in einem Haus das schon eine Unmenge von Pein und Leiden erlebt. Sei es ein Räuber, ein Mörder eine Hexe oder ein einfacher Flucher, der ungelegen das Wort ergreifen wollte, sie sind alle in die Stadtkerker geraten. Nicht mehr als "Zu Hölle mit dir!" und bekam man gleich genau sechs Monate Gefängnis.

Unsere berüchtigteste Strafgefangene war "die Weisse Frau von Leutschau". Ihr Prozess begann im Jahre 1713 und das Urteil wurde in zwei Jahren gefällt. Hier, im Kellergeschoss, wartete sie unter mili- tarischer Bewachung auf die Erfüllung ihres Schicksaals. Die Ursache des langwierigen Prozesses bestand darin, dass sich ein Teil des delegierten Ritterkörpers bezweifelte, ob die Edelfrau gequält und gepeinigt werden sollte. Schliesslich gab der Kanzellar und danach der Kaiser selbst die Anweisung zur die Folterung der hübschen Frau, mit der folgenden Argumentation:

"Obwohl es keinen gesetzlichen Paragraphen gibt, der die Folterung erlaubt, weiss die Judikatur auch nicht davon, dass die Folterung verboten wäre."

Sie gaben bloss so viel Nachlass, dass sie von der Tortur mit feurigem Eisen absahen. Aber sie konnte dem Marterrad nicht ausweichen. Die Tortur bestand darin, dass sie mit einem Srick unterm Arm mit der Hilfe einer Rolle heraufgezogen wurde und schwere Steine an ihre Beine gehängt waren. An dieser "Gnade" konnten nur solche Strafgefangenen teilhaben, dessen Todesstrafe schon theoretisch entschieden worden war.

Nichtdestoweniger gestand Korponainé Géczy Julianna unter der Folterung nicht mehr als vorher.

Das Urteil war fertig und am 25. September 1715, um 11 Uhr, auf dem Platz der Gyõrer Burg - der heutige Széchenyi tér (Széchenyi Platz) -vor der Augen der Massen schlug der Henker mit dem Beil ihren hübschen Kopf ab. Ihr letzter Weg führte durch diesen Raum und ging durch die Tür, die im letzten Jahrhundert einmauert wurde. Danach sah sie sich an, wie man das Schaffot vor ihren eigenen Augen aufgezimmert haben und musste sich noch einmal das Urteil anhören.

Ihre Hauptschuld war, dass sie Verbindungen mit Anhängern von Rákóczi hatte, Briefe schmuggelte und mit ihnen paktierte. Irgendwie verriet sie immer "zu der unrrechten Zeit" die Heimat. In der Stadt von Leutschau verriet sie die Kuruzen den Österreichern. Die Burg von Leutschau ging wegen ihres ruchloses Verrates verloren. Als Belohnung wollte sie Güter bekommen. Dann um sich Vermögen zu erwerben, wandte sich die ausserordentlich hübsche und sehr gebildete Julia gegen die Österreicher, aber zahlte drauf. Sie schrieb ihrem Mann das folgende:

"Jetzt ist mein ganzer Besitz verloren gegangen, der Kaiser hat die Schenkung nicht unterzeichnet, ich bin um alles gekommen, ich bin selbst im Gefängnis.Aber nicht nur Gefängnis, mag auch ein Henker kommen, ich verrate meinen Vater niemals!"

Sie lebte in einer Zeit, als das menschliche Leben nicht viel wert war.

Das Gebäude funktionierte mehr als drei Jahrhunderte lang als Rathaus. Zwischen seinen Wänden haben sich auch Graf Széchenyi, der grösste ungarische Graf, und Deák Ferenc, der Weise der Heimat sehen lassen und in der Zeit des Freiheitskampfes feuerte Kossuth Lajos von dem Balkon die Aufständischen zum Kampf an. Hier funktioniert heute das Gyõrer Stadtarchiv - GYÕRI VÁROSI LEVÉLTÁR -, die Redaktion der kulturellen Zeitschrift "MÛHELY".


József Bana
Direktor des Archivs